Mit Expertenwissen gegen Fake News

Zehn Jahre Online-Bibliothek medbox.org

Knapp 900 Dokumente waren abrufbar, als die weltweite einzigartige Online-Bibliothek medbox.org vor zehn Jahren an den Start ging. Seitdem hat sich die Internetplattform rasant weiterentwickelt. Mittlerweile sind fast 29.000 Dokumente unter anderem in Englisch, Französisch, Spanisch, Russisch, Arabisch und Deutsch verfügbar. Seit 2013 finden Gesundheitsexperten auf der ganzen Welt kostenlos und schnell von Experten geprüfte Dokumente und Videos für die Praxis.

11,5 Millionen Downloads

Zur aktuellen Bilanz gehören auch 11,5 Millionen Downloads. www.medbox.org bietet (fast) alles, was im Bereich Gesundheit und Public Health tätige Personen wissen müssen, darunter Grundlagenliteratur, Filme, Aufklärungsmaterialien und Behandlungsrichtlinien zu öffentlicher und klinischer Gesundheitsfürsorge, von A wie Antibiotikaresistenzen bis Z wie Zika – überall dort, wo es Internet gibt. Anders als bei den bisher verfügbare medizinisch-wissenschaftlichen Online-Sammlungen setzt medbox.org bei allen Dokumenten Wert auf Praxistauglichkeit.

Nur sichere Quellen

Doch das ist nur ein wichtiger Aspekt unter vielen. Entscheidend ist auch, dass sich die Nutzer auf die Richtigkeit der Informationen verlassen können. Denn alles, was auf medbox.org landet, wird von Experten zuverlässig auf Korrektheit geprüft wird. Denn nicht alles im Internet ist verlässlich. Gerade während der Covid-Pandemie fielen dem medbox-Team unzählige Falschinformationen auf. Das Expertenteam greift nur auf vertrauenswürdige Quellen zurück. medbox.org bündelt diese Informationen, was gerade denjenigen zugutekommt, die im Umgang mit Suchmaschinen im Internet nicht so erfahren sind. Da es im globalen Süden fast überall ein gutes Mobilfunknetz gibt, ist die Website von fast überall zu erreichen. Die Seite ist so programmiert, dass sie auch ohne schnelles Internet genutzt werden kann.

Von Polio bis zu Antibiotikaresistenzen

Das gilt auch für die so genannten Toolboxen, von denen es inzwischen 21 gibt. In der Anfangszeit beschränkten sich die Themensammlungen mit Richtlinien, Lernmaterialen und Aufklärungsmaterialen auf wenige ausgesuchte Bereiche. So entstand anfangs eine Toolbox zu Cholera. Lebensrettende Informationen zur Bekämpfung von Polio folgten. Für Syrien kam die Themensammlung gerade zur rechten Zeit. Im Osten des Landes war im Oktober 2013 die Poliomyelitis ausgebrochen. Wegen des Bürgerkriegs war direkte internationale Hilfe nicht möglich. Den syrischen Ärzten fehlte es an Erfahrung mit der Behandlung der Kinderlähmung. Mit der „Polio Toolbox“ konnten sie ihr Wissen auf den aktuellen Stand bringen.

Polio ist nur ein Beispiel dafür, dass schnelle und vor allem verlässliche Informationen einen Unterschied machen. Mangelnder Zugang zu praktischem Wissen ist laut Experten die Ursache für viele medizinische Probleme in ressourcenarmen Ländern, darunter die Kinder- und Müttersterblichkeit. Gerade bei Naturkatastrophen oder großen Krankheitsausbrüchen kommt es darauf an, schnell und effektiv zu helfen.

Covid-19 und  Ukraine-Krieg

Auf aktuelle medizinische Herausforderungen reagiert das medbox-Team schnell. So wurde die „Covid 19 Toolbox“ mehrfach überarbeitet und ergänzt. Neue Themensammlungen informieren unter anderem über Planetare Gesundheit, Antibiotikaresistenzen und tropische Armutserkrankungen. Die globalen Auswirkungen des Überfalls Russland auf die Ukraine beleuchtet die Conflict Toolbox unter verschiedenen Gesichtspunkten.

Projektleiterin Sieglinde Mauder, die inzwischen im Ruhestand ist, erklärte den Erfolg mit der schnellen Antwort auf jeweils aktuelle Herausforderungen und Krisen. Als 2014 Ebola ausbrach, seien die Nutzerzahlen sprunghaft nach oben gegangen. Medbox habe damals als erstes Infoportal Informationen auf Französisch zur Verfügung gestellt. Noch mehr Nutzer seien auf medbox aufmerksam geworden, als die renommierte Website www.reliefweb.in darauf hinwies. „Und auf der Website der Unicef waren wir als wichtigste Ressource erwähnt und verlinkt“, ergänzt Mauder. Darüber hinaus hätten die zahlreichen Partner aus der humanitären Hilfe, der Entwicklungszusammenarbeit und der Kirche mit ihrer – auch finanziellen – Förderung dazu beigetragen, dass immer mehr Menschen von unserem Angebot erfahren haben, betont Mauder.

Immer auf dem aktuellen Stand

Wenn es medbox nicht gäbe, hätten die wenigsten Menschen in ressourcenarmen Ländern Zugang zu vertrauenswürdigen Informationen, fasst Mauder die Bedeutung des Projekts zusammen. Ihre Nachfolgerin Karla Deininger, die nun mit Laura Liebau das Projekt leitet, stimmt ihrer Vorgängerin nicht nur in diesem Punkt zu. Sie ist sich auch bewusst, dass medbox nie „fertig“ wird, weil sie auf immer neue Herausforderungen reagieren und sich aktuellen Gesundheitsthemen stellen muss. Für die nähere Zukunft ist die Veröffentlichung von zwei weiteren Toolboxen geplant: Eine davon wird sich mit der Finanzierung von Gesundheit beschäftigen, die andere mit nicht übertragbaren Erkrankungen.

Elke Blüml