August

„Gesundheit ist mehr als Medizin“

Gespärch mit OB Christian Schuchardt

Der Würzburger Oberbürgermeister Christian Schuchardt ist Schirmherr eines von medmissio und der DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe in der Partnerstadt Mwanza/Tansania initiierten Projekts zur Bekämpfung der Schistosomiasis. Er hält es nicht für selbstverständlich, in einem reichen Land in allem Überfluss geboren zu werden und damit auch einen besseren Zugang zu gesundheitlicher Versorgung zu haben. Umso notwendiger sei das Engagement von medmissio.

Was wünschen Sie dem „Jubilar“? Und was wünschen Sie ihm auf keinen Fall?

Ich wünsche medmissio viel Erfolg bei der Bekämpfung von Krankheiten, die es heute nicht mehr geben müsste, aber auch von Krankheiten, die vielleicht noch auf die Menschheit zukommen werden. Ich wünsche ihm größtmögliche Öffentlichkeitswirkung, damit sich immer mehr Menschen für den Gesundheitsschutz weltweit engagieren. Ich wünsche Ihnen ein scharfes Auge beim Blick auf die Belange der Menschen, ein feines Gehör beim Hinhören auf die Partner in Afrika, ein gutes Gespür für die Umsetzbarkeit von Hilfsprojekten. Was ich medmissio nicht wünsche, sind weitere Pandemien.

Was bedeutet es aus Ihrer Sicht für Würzburg, dass dort mit medmissio die bundesweit einzige katholische Fachstelle für internationale Gesundheit ihren Sitz hat?

Die kirchliche Entwicklungsarbeit und die missionarische Präsenz schaffen Nähe zu den Menschen in den Entwicklungsländern. Sie legen damit die Basis für ein Grundvertrauen der Einheimischen gegenüber den Nachkommen der ehemaligen Kolonialherren, die lange viele Länder ausgebeutet haben. Auf dieser Grundlage können dort medizinische Fachkräfte ausgebildet, die dortigen Gesundheitsdienste begleitet werden.

medmissio setzt beispielsweise mit dem Aufklärungs- und Behandlungsprojekt zu Schistosomiasis am Viktoriasee in Tansania genau an der richtigen Stelle an. Zugleich lernen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Instituts die Bedürfnisse der Menschen in den Entwicklungsländern kennen und können sich in Würzburg für deren Anliegen einsetzen. Und von der in den Entwicklungsländern angewandten Forschung im medizinischen und sozialen Bereich profitiert im Umkehrschluss natürlich auch die Klinik für Tropenmedizin in Würzburg. Ich halte es für einen Glücksfall für beide Städte, Mwanza und Würzburg, dass sich mit medmissio und der DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe gleich zwei Institutionen in Würzburg für Gesundheit in Entwicklungsländern engagieren.

„Gesundheit ist das Wichtigste, das Menschen brauchen“, haben Sie bei einem Besuch des Instituts anlässlich des Starts des Schistoprojekts betont. War das einer der Gründe, die Initiative „Würzburg hilft Mwanza“ als Schirmherr zu begleiten?

Als ich um die Schirmherrschaft des Projekts „Würzburg hilft Mwanza“ gebeten wurde, habe ich keine Sekunde gezögert. Die Stadt Würzburg hat zu Mwanza in Tansania aufgrund der Städtepartnerschaft eine enge Verbindung. Wir haben vielfältige Kontakte in den Bereichen Medizin und Bildung, soziale Arbeit und fairer Handel, auch unsere Feuerwehren arbeiten zusammen. Die Bekämpfung der Ursachen von Schistosomiasis geht aber weit darüber hinaus. Es kann einfach nicht sein, dass heute noch Krankheiten so weit verbreitet sind, obwohl sie längst besiegbar wären – allein aufgrund schlechter hygienischer Bedingungen und weil es kein sauberes Wasser gibt. Da stimmt mich die Arbeit von medmissio und der Initiative hoffnungsvoll.

Sie sind OB einer Stadt, die mit Mwanza in Tansania eine Partnerstadt hat, in der es um die Gesundheit ihrer Bewohner nicht so gut bestellt ist wie in Würzburg. Haben Ihre Besuche in Tansania Ihren Blick auf die Bedeutung von Gesundheit verändert?

Verändert haben diese Erfahrungen meinen Blick auf die Bedeutung von Gesundheit nicht. Gesundheit ist und bleibt das Wichtigste im Leben, das bringt uns auch die Pandemie seit Beginn des letzten Jahres eindrücklich nahe. Die Besuche in Tansania haben mich hingegen nachdenklich gemacht hinsichtlich Chancengerechtigkeit. Wir dürfen niemals nur auf einem eingeschränkten Blick verharren und müssen uns immer wieder vor Augen halten: Es ist nicht selbstverständlich, in einem reichen Land in allem Überfluss geboren zu werden – und damit auch einen besseren Zugang zu gesundheitlicher Versorgung zu haben. 400 Millionen Menschen haben laut Schätzungen der WHO gar keinen Zugang zur Gesundheitsversorgung. Und Krankheiten sind auch häufig Ursache von Armut und Ausgrenzung. Gesundheit braucht Forschung, starke Gesundheitssysteme. Gesundheit ist aber mehr als Medizin, es ist Menschlichkeit.

Das Gespräch führte Elke Blüml