
Epiphanie ist bei „medmissio – Institut für Gesundheit weltweit“ kein reines Fest des Erinnerns, sondern ein Anlass zum Handeln. Die Epiphaniefeier am 6. Dezember begann mit einem Gottesdienst in der Kapelle der Missio-Klinik. In Predigt und Wortbeiträgen stand das Leitwort „Hab Mut, steh auf“ im Mittelpunkt, zugleich Motto des diesjährigen Katholikentags in Würzburg. Die Predigt hielt unser Würzburger Bischof Dr. Franz Jung und medmissio-Spiritual Burkard Hose.
Ausgehend vom Epiphanie-Evangelium machte Bischof Jung deutlich, dass der Blick auf den Stern allein nicht genügt. Die drei Weisen hätten sich aufgemacht, weil sie gespürt hätten, dass mit diesem Stern „eine neue Wirklichkeit über der Welt aufgeht“. Epiphanie bedeute aufzustehen, sich bewegen zu lassen und Verantwortung zu übernehmen. Besonders eindrücklich wurde dies dort, wo Jung die Arbeit von medmissio direkt aufgriff. „Hab Mut, steh auf für die Gesundheit als Menschenrecht“, sagte der Bischof und verwies auf das konkrete Engagement des Instituts. Gesundheit sei kein Luxus, sondern ein grundlegendes Recht, das eingelöst werden müsse. Jung dankte medmissio ausdrücklich dafür, dass dieser Anspruch nicht nur eingefordert, sondern durch praktisches Handeln sichtbar gemacht werde. Er verwies dabei auch auf seinen jüngsten Besuch in einer Gemeinschaftsunterkunft und sprach von einem „wichtigen Zeugnis aller katholischen Akteure hier in Würzburg“, das die Würde des Menschen wahre und Gesundheit als Menschenrecht ernst nehme.
Bischof Jung: gefährliche Täter Opfer Umkehr
Zugleich machte der Bischof klar, dass Gesundheit immer ein Gradmesser sozialer Gerechtigkeit ist und rief dazu auf, sich der „Globalisierung der Gleichgültigkeit“ entgegenzustellen. Egoistische Machtinteressen, das Kürzen von Hilfe für Länder in Not und eine gefährliche Täter Opfer Umkehr bedrohten das solidarische Miteinander. Ohne den Blick auf das Ganze, so der Bischof, werde es kein gerechtes Zusammenleben geben.
Bereits im Gottesdienst ergriffen auch der medmissio-Vorsitzende Prof. Dr. Stich sowie Geschäftsstellenleiter Michael Kuhnert das Wort. Sie ordneten die liturgischen Impulse in die Arbeit von medmissio ein und dankten Mitarbeitenden und Unterstützenden für ihr anhaltendes Engagement.

Im Anschluss an den Gottesdienst trafen sich Mitarbeitende und Mitglieder zum gemeinsamen Frühstück mit Programm. Unter anderem berichtete die Generaloberin der Medical Mission Sisters of Bangalore, Sr. Jema Rodrigues, von den besonderen Herausforderungen, die sich in Indien bezüglich der medizinischen Versorgung für arme Bevölkerungsgruppen stellen. Die Medical Mission Sisters, die aus der Gemeinschaft der Missionshelferinnen (leben heute in Bad Kissingen) hervorgingen, setzen sich in ihren Niederlassungen für eine möglichst integrale Gesundheitsversorgung ein. Sie betreiben u.a. zwei Krankenhäuser und Krankenpflegeakademien in Shevgaon und Chetpet, ein Zentrum für Kinder mit besonderen Bedürfnissen, ein Heim für Mädchen aus äußerst armen Familien. Darüber hinaus betreuen sie viele Familien mit behinderten Kindern und etliche Frauen- und Selbsthilfegruppen. Besonders erfolgreich sind außerdem Kleinkreditprogramme und Sozialdienste in ländlichen Regionen.
Einen inhaltlichen Schwerpunkt setzte anschließend der Vortrag von Dr. Stefan Einsiedel, Philosoph und Volkswirt an der Hochschule für Philosophie München. Unter der Leitfrage, was soziale und ökologische Gerechtigkeit heute leisten muss, stellte Einsiedel verbreitete Gewissheiten infrage. Die lange gültige Gleichsetzung von Demokratie, Wachstum und Wohlstand, so seine Analyse, sei brüchig geworden. Wachstum garantiere weder soziale Gerechtigkeit noch ökologische Tragfähigkeit und könne das Vertrauen in demokratische Prozesse sogar untergraben.
Drei Dimensionen von Gerechtigkeit
Einsiedel unterschied drei Dimensionen von Gerechtigkeit, ökonomisch, sozial und ökologisch, die heute gleichzeitig bedacht werden müssten. Nachhaltigkeit entstehe nur dort, wo diese Perspektiven zusammenkommen. Anhand internationaler Entwicklungen zeigte er, dass wirtschaftliches Wachstum extreme Armut zwar verringert habe, zugleich aber neue Ungleichheiten und massive ökologische Belastungen entstanden seien. Der Wohlstand der Industrieländer sei historisch eng mit fossilen Energien verknüpft und habe politische Abhängigkeiten und Machtkonzentrationen begünstigt.
Vor diesem Hintergrund sprach Einsiedel von einer notwendigen sozial ökologischen Transformation. Diese lasse sich nicht auf eine einzelne Maßnahme reduzieren. Technische Innovationen, sozialer Ausgleich, internationale Zusammenarbeit und ein kultureller Wertewandel müssten zusammengedacht werden. Besonders betonte er, wie wichtig es sei, von den Ärmsten zu lernen. Wer wenig Sicherheit habe, erkenne die Schwachstellen gesellschaftlicher Systeme früher und klarer als andere.
Die Epiphaniefeier bei medmissio verband damit Gottesdienst, persönliches Zeugnis und gesellschaftliche Analyse. Sie machte deutlich, wofür medmissio steht, für einen Glauben, der aufsteht, hinschaut und handelt, für Gesundheit als Menschenrecht und für den Einsatz für globale Gerechtigkeit.
Kai Fraass


