
Das Jahr 2025 hat eindrücklich gezeigt, wie entscheidend politische Prozesse für die Globale Gesundheit sind. Denn die gravierenden Kürzungen der USA im Bereich Globale Gesundheit werden laut Analysen der renommierten medizinischen Fachzeitschrift The Lancet weltweit bis zu 14 Millionen Menschenleben kosten, darunter 4,5 Millionen Kinder. Aktuelle Schätzungen gehen von über 750.000 Menschen aus, die in Folge dieser finanziellen Einschnitte bereits verstorben sind.
Auch weitere Kürzungen durch andere Geberstaaten, darunter Deutschland, haben massive Versorgungslücken in medizinischer Prävention, Diagnostik und Therapie in Ländern des Globalen Südens verursacht. Insbesondere beim Kampf gegen weitverbreitete und tödliche Infektionskrankheiten wie HIV/Aids, Tuberkulose und Malaria drohen drastische Rückschritte. Viele ressourcenschwache Nationen sind wirtschaftlich nicht in der Lage, diese Lücken selbst zu schließen, und besonders vulnerable Bevölkerungsgruppen bleiben häufig ausgeschlossen.
medmissio hat 2025 aktiv dazu beigetragen, diesen Entwicklungen etwas entgegenzusetzen. Durch gezielte Advocacy-Arbeit auf Bundesebene, intensivem Austausch mit Entscheidungsträger*innen und die Vernetzung mit weiteren zivilgesellschaftlichen Akteur*innen haben wir fortlaufend darauf gedrängt, dass Deutschland das Menschenrecht auf Gesundheit im Globalen Süden ernsthaft verteidigt.
Während die Bundesregierung letztes Jahr erhebliche Kürzungen im Bereich Globale Gesundheit beschloss, die die medizinische Versorgung in den Ländern des Globalen Südens massiv gefährden, wären diese Einsparungen ohne das gezielte politische Engagement einer breiten zivilgesellschaftlichen Koalition – zu der auch medmissio gehört – noch weit höher ausgefallen.
Durch intensive Advocacy-Arbeit, enge Zusammenarbeit mit UNAIDS und dem Globalen Fonds sowie fortlaufende politische Gespräche konnte die deutsche Zivilgesellschaft unter anderem einen Beitrag dazu leisten, dass Deutschland für das Jahr 2026 6,75 Millionen Euro für UNAIDS bereitstellt und der Beitrag zum Globalen Fonds im Rahmen der Wiederauffüllungskonferenz von ursprünglich geplanten 850 Millionen Euro auf 1 Milliarde Euro erhöht wurde. Im Fall des Globalen Fonds sind dies somit 150 Millionen Euro zusätzlich, die direkt für medizinische Zwecke wie HIV-Medikamente, Tuberkulosetests und Mückennetze gegen Malaria verwendet werden können.
Die letzte Entscheidung lag beim Bundestag, der erfreulicherweise unter dem Einfluss der zivilgesellschaftlichen Argumentation die Mittelerhöhung um 150 Millionen Euro bestätigte. Dies zeigt eindrücklich, wie entscheidend politisches Engagement ist, um drohende Kürzungen so weit wie möglich zu verhindern bzw. zu vermindern und lebensrettende Mittel für Menschen im Globalen Süden zu sichern.
Gerade in politisch und gesellschaftlich sehr schwierigen Zeiten gilt es, unbeirrt für das Menschenrecht auf Gesundheit einzutreten. Deshalb werden wir uns auch im Jahr 2026 wieder dafür einsetzen, dass unsere Advocacy-Arbeit weiter finanziert wird, Kürzungen in der Entwicklungszusammenarbeit abgemildert werden und zentrale Akteure der Globalen Gesundheit die notwendigen Mittel erhalten, um Menschenleben zu retten.
Tilman Rüppel