Wie Bäckermeister Hubert Schraut medmissio seit Jahren treu zur Seite steht

Mitarbeiter von „medmissio – Institut für Gesundheit weltweit“ besuchen die Bäckerei Schraut. Medmissio-Geschäftsstellenleiter Michael Kuhnert (v. l.), Ehefrau von Hubert Schraut Ilona Herold, Bäckermeister Hubert Schraut und medmissio-Mitarbeiterin Sonja Schäfer. Foto: Kai Fraass

Wer nach Stetten (Karlstadt) im Landkreis Main-Spessart hinunterfährt, sieht zuerst den Kirchturm, dann die Werntalstraße und irgendwann das Haus mit Laden und Backstube. Hier arbeitet Bäckermeister Hubert Schraut. Er ist einer der letzten, der im Gebiet von Karlstadt noch selbst backt, Nacht für Nacht, mit eigenen Teigen. Sechs Generationen Familiengeschichte stecken in diesem Betrieb. Und längst auch eine Verbindung zu medmissio – Institut für Gesundheit weltweit und einzige Katholische Fachstelle für internationale Gesundheit, die spürbar tiefer geht als ein Eintrag auf einer Spenderliste.

Aufmerksam auf medmissio wurde er vor vielen Jahren in der Missioklinik in Würzburg. Bei einem Besuch der Klinik führte ihn sein Weg auch in die Klinikkapelle. Dort griff er sich nicht nur einen Flyer des Instituts, sondern auch einen medmissio-Kalender. Seitdem begleiten ihn diese Kalender. Der jeweils aktuelle hängt immer, wie er lachend erzählt, an einem Ort, an dem man tatsächlich Zeit zum Lesen hat. „Da habe ich Ruhe, da stört mich keiner, und dann kann ich eure Seiten lesen.“ Dort liest er die Geschichten, sieht die Gesichter und merkt sich die Namen. So wächst Vertrauen. Nicht als abstrakte Kategorie, sondern über Menschen, die er zuordnen kann.

Genau dieses Vertrauen ist für ihn der Kern, wenn es um Spenden geht. Im Gespräch erzählt er von Erfahrungen mit anderen Organisationen, bei denen im Dankschreiben sofort die nächste Zahlungsaufforderung folgte. Sein Vergleich ist deutlich. Wer zu einem Geburtstag eingeladen ist und ein Geschenk mitbringt, erwartet nicht, dass der Gastgeber am nächsten Tag nachlegt und gleich das nächste Geschenk einfordert. Für ihn wirkt diese Art der Kommunikation kühl und mechanisch. „Ich will wissen, wem ich gebe und wofür ich gebe“, sagt er. „Und ich will, dass sich jemand erst wirklich bedankt, bevor die nächste Bitte kommt.“ Er will wissen, wem er gibt, wofür er gibt und ob die andere Seite respektvoll mit dieser Geste umgeht.

Schon der Anblick ist ein Genuss. Eine kleine Auswahl der leckeren Backwaren von Bäckermeister Hubert Schraut. Foto Kai Fraass

Bei medmissio spürt er etwas Besonderes. Er kennt die Menschen, er kann jederzeit nachfragen, das Institut ist regional verankert und doch international ausgerichtet. Er sagt es klar. „Bei euch weiß man Ross und Reiter, man hat ein Bild, man hat einen Menschen, es ist regional, das ist mir wichtig.“ Dieses Vertrauen ist der Grund, warum er das Institut seit Jahren mit einer verlässlichen Jahresspende unterstützt. Nicht laut, nicht öffentlichkeitswirksam, sondern konstant und überlegt. Für medmissio ist Hubert Schraut damit einer der starken Partner, auf die man bauen kann. Für ihn ist es ein Teil seiner Verantwortung.

Verantwortung zeigt sich bei ihm aber nicht nur im Umgang mit Geld. Sie beginnt für ihn auf dem Feld. Hubert Schraut gehört zur Initiative Wasserschutz-Weizen. Er war der erste Bäcker im Landkreis Main Spessart, der sein gesamtes Sortiment auf Mehl aus Wasserschutz-Weizen umgestellt hat. Die Idee dahinter ist einfach und zugleich anspruchsvoll. Beim Weizenanbau wird üblicherweise dreimal gedüngt. Gerade die dritte Düngergabe wird auf den trockenen Böden der Region oft nicht mehr von der Pflanze aufgenommen. Die Nährstoffe bleiben auf dem Acker liegen, werden beim nächsten Regen in den Boden gespült und belasten das Grundwasser mit Nitrat.

Als eine Fachfrau der Initiative ihn ansprach, ließ er sich das genau erklären. Er sprach mit einem befreundeten Landwirt, hörte sich dessen Einschätzung an und entschied sich dann zum Test. Funktioniert das Mehl, obwohl es weniger Eiweiß hat. Trägt der Teig, lässt sich damit Brot backen, das aufgeht, duftet, schmeckt. Nach der Probephase war die Sache für ihn klar. Es funktioniert. Also stellte er konsequent um. Wenn er von dieser Entscheidung erzählt, klingt kein Pathos mit. Eher ein sachlicher Ton. „Das ist kein Hexenwerk“, sagt er. Man müsse den Teig nur ernst nehmen. Am Ende koste das Mehl den Betrieb etwas mehr, auf das einzelne Brötchen gerechnet liegt die Differenz im kleinen Centbereich. Der Gewinn liegt an anderer Stelle. Weniger Stickstoff im Grundwasser, weniger Belastung für das Trinkwasser, ein konkreter Beitrag zur Gesundheit der nächsten Generationen.

Wenn die Hörnchen duften, ist einfach kein Vorbeikommen an der Bäckerei Schraut in der Werntalstraße in Stetten. Foto: Kai Fraass

Genau hier berührt sich seine tägliche Arbeit mit den Themen von medmissio. Geschäftsstellenleiter Michael Kuhnert beschreibt es im Gespräch so. Die medizinischen Herausforderungen verändern sich weltweit. Zu Armut und Infektionskrankheiten kommen Umweltzerstörung, Klimakrise, verschmutztes Wasser. Gesundheit hängt nicht nur von Medikamenten ab, sondern von politischen, sozialen und ökologischen Faktoren. Der Satz, den Papst Franziskus geprägt hat, ist für ihn dabei Leitlinie. „Wie wollt ihr in einer kranken Welt gesund bleiben.“ Für medmissio heißt das, Globale Gesundheit immer auch als Teil Planetarer Gesundheit zu verstehen. Für Hubert Schraut heißt es, an seinem Platz Verantwortung zu übernehmen. Mit jedem Laib Brot, der aus Wasserschutz-Weizen entsteht, zeigt er, dass dieser Gedanke nicht abstrakt bleiben muss.

Wer seine Backstube betritt, merkt schnell, wie sehr er auf Beständigkeit und Nachhaltigkeit setzt. Die Knetmaschinen stammen aus drei Generationen. Die älteste hat sein Großvater gekauft, die jüngste er selbst. Sie arbeiten zuverlässig, lassen sich reparieren. Er vertraut lieber auf robuste Technik als auf hochgerüstete Automatik. Moderne sei nicht automatisch besser, sagt er. „Modern ist nicht gleich gut.“ Wichtig sei, dass man selbst Verantwortung übernimmt. Dass jemand am Teig steht, ihn in die Hand nimmt, nach Gefühl entscheidet, ob er mehr Wasser braucht, mehr Zeit, mehr Ruhe.

Seine Arbeit endet nicht an der Tür der Backstube. Jeden Morgen geht ein Teil der frischen Backwaren weiter nach Würzburg, in „Schrauts Bäckerlädle“ seiner Schwester in der Äußeren Pleich. Es ist ein Familiennetz, das zwischen Stetten und Würzburg gespannt bleibt und zeigt, wie eng Verbundenheit und Verantwortung in diesem Betrieb zusammengehören.

Zu großem Marketingdrang passt das nicht. Wenn man ihn darauf anspricht, ob er sich als Wasserschutz-Weizen-Bäcker offensiv vermarkten will, schüttelt er den Kopf. Kundinnen und Kunden kommen wieder, weil es schmeckt, nicht, weil eine Schlagzeile ihnen sagt, dass es schmecken müsste. Dass sein Engagement für das Grundwasser und seine Treue als Spender für medmissio nach außen sichtbar werden, findet er trotzdem sinnvoll. Nicht für sich, sondern als Anstoß. Vielleicht schaut sich der eine oder andere Bäcker das Modell an. Vielleicht fragt eine andere Firma, wie sich regionale Verantwortung und globale Solidarität verbinden lassen.

Im Gespräch geht es irgendwann auch um Glauben. Gott sei für Hubert Schraut eine Art Geländer, an dem man sich festhalten kann. Er legt Wert auf kleine, konkrete Veränderungen im eigenen Umfeld. Bei sich selbst anzufangen, im eigenen Betrieb, im eigenen Dorf. medmissio denkt von Würzburg aus in die Welt, in Afrika, Indien und Lateinamerika. Die Bäckerei Schraut betreibt die Backstube im Werntal. Beide eint der Gedanke, dass Gesundheit mehr ist als Versorgung mit Tabletten. Es geht um Lebensbedingungen. Um Wasser, Nahrung und Würde.

So entsteht eine Partnerschaft, die wenig von Werbung hat, aber viel von Überzeugung. Ein Bäcker, der seine Zutaten kennt, seine Maschinen repariert und seine Sätze genau abwägt. Ein Hilfswerk, das nahbar bleibt und auf Langstrecke arbeitet. Und dazwischen die Entscheidung, Jahr für Jahr einen spürbaren Beitrag zu leisten. Leise, zuverlässig, sehr konkret.
Kai Fraass

Foto: Kai Fraass