Missionsärztliches Institut

Institut wünscht sich mehr Aufmerksamkeit für psychisch Erkrankte in Entwicklungsländern

Rund 450 Millionen Menschen weltweit sind nach Schätzungen von Experten psychisch krank. Wer an einer Depression, an Angststörungen, Schizophrenie, Demenz oder Sucht leidet und in einem Entwicklungsland lebt, hat nur wenig Chancen auf eine Behandlung. Nur etwa jeder Zehnte kann auf Hilfe hoffen. Das Missionsärztliche Institut appelliert an alle Akteure der Globalen Gesundheit, psychischen Erkrankungen mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Anlass ist der Welttag für Seelische Gesundheit, den WHO und WFMH (World Federation for Mental Health) 1992 erstmals ausgerufen haben und der jedes Jahr am 10. Oktober begangen wird.

Um dem dringenden Hilfsbedarf für Menschen mit psychischen Problemen in Entwicklungsländern gerecht zu werden, plant das Institut, zur Koordinationsstelle für Mentale Health zu werden. Die Psychologin Nazaret Bonilla Pérez wurde eigens für diesen Bereich eingestellt. Nach ihren Worten zählen Migration, Kriege, Umweltkatastrophen, Ernteausfälle, verbunden mit Existenzsorgen und Armut zu den Hauptursachen für seelische Krankheiten.

Stigma und Diskriminierung

Wenig Hilfe haben die Betroffenen zu erwarten, weil seelisch kranke Menschen stigmatisiert werden, wie die Psychologin erklärt. In Ländern des Südens seien viele ehemalige Dorfbewohner, die auf der Suche nach Arbeit in die Städte ziehen, entwurzelt. Ihre Verzweiflung ende oft mit Drogen- und Alkoholmissbrauch.

"Wissen ist Macht"

Ein Lösungsansatz könnte laut Bonilla Pérez Aufklärung sein. „Die Menschen wissen einfach zu wenig über psychische Beeinträchtigungen und ihre Behandlungsmöglichkeiten“, ist sie überzeugt. „Wissen ist Macht, Akzeptanz ist Hoffnung für die Zukunft.“ Das soziale Umfeld psychisch kranker Menschen könne den Betroffenen stützen und dafür sorgen, dass ohne Scham über das Thema geredet werden kann.

Die Behandlung psychischer Erkrankungen werde auch deshalb vernachlässigt, weil Experten viel Zeit brauchen, um Erfolge zu erzielen. „Eine Behandlung ist viel komplizierter als etwa bei einem Beinbruch“. Viele hätten auch kein Geld für eine Therapie. Wenn eine Störung nicht behandelt werde, sei dies letzten Endes teurer, weil körperliche Probleme folgten, sagt Bonilla Pérez.

Gemeindebasierte Programme notwendig

Die Psychologin ist der Ansicht, dass in Ländern des Südens gemeindebasierte psychosoziale Programme notwendig sind, in denen gut ausgebildete Laienhelfer die Betroffenen betreuen. Zudem sei der Zugang zu geeigneten Medikamenten wichtig. Die wenigen in Entwicklungsländern tätigen Psychologen sollten ihr Wissen nutzen, um in den Gemeinden als Multiplikatoren zu arbeiten.

Elke Blüml (MI)

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