Missionsärztliches Institut

Prof. August Stich: Institut will im Ostkongo zwischen Fachwelt und kirchlichen Netzwerken vermitteln und helfen

Würzburg (MI) Mangelndes Vertrauen der Menschen in die eigene Regierung und in internationale Organisationen ist nach Einschätzung des Tropenmediziners Prof. Dr. August Stich die Ursache dafür, dass der Ebola-Ausbruch im Ostkongo noch immer nicht unter Kontrolle ist. Bei seinem Besuch im August sei trotz Medikamenten und Impfungen die Situation außer Kontrolle gewesen, die Sterblichkeit größer als beim Ausbruch in Westafrika vor fünf Jahren, sagte Stich der in Würzburg erscheinenden Tageszeitung Main Post (Donnerstagsausgabe). Wegen des großen Misstrauens kämen die Menschen zu spät in die Behandlungszentren. 

Ebola "Erfindung der Regierung"

Viele Menschen in der Region nähmen Ebola nicht als Problem war oder behaupteten, es gebe die Infektionskrankheit gar nicht, so Stich, der auch Vorsitzender des Missionsärztlichen Instituts ist. Andere hielten sie für eine Erfindung der Regierung, die damit der Bevölkerung schaden wolle. Die einzig verbliebenen moralischen Autoritäten im Kongo seien die Kirchen. Deshalb sei er zusammen mit Kardinal Peter Turkson, dem „Entwicklungshilfeminister“ des Papstes, in die Region gereist, um die Kirche vor Ort zu stärken. Sie solle künftig eine wichtige Rolle im Kampf gegen Ebola und andere Krankheiten spielen.

 Auch das Missionsärztliche Institut werde sich engagieren. Die Fachstelle habe zum einen Erfahrung mit Tropenkrankheiten, Prävention und Hygienemaßnahmen. Zudem verstehe das Institut auch die Kirchen und könne zwischen Fachwelt und kirchlichen Netzwerken vermitteln. So ließen sich Priester, Frauen- und Jugendgruppen bis ins letzte Dorf erreichen. 

"Unbeschreibliche Gräueltaten"

Laut Stich setzt sich der Völkermord von Ruanda 1994 im Ostkongo fort. „Es passieren noch immer unbeschreibliche Gräueltaten.“ Die Lage sei so beklemmend, dass Ebola nicht das wichtigste Anliegen der Menschen sei. Derzeit sei die Epidemie auf zwei Provinzen begrenzt. Sie könne sich aber leicht ausbreiten, weil die Leute viel unterwegs seien, befürchtet der Mediziner.

(2019/09/26)                                                                                                             e.b. (MI)

 

­