Missionsärztliches Institut

Deutsches Zentrum für die sektorübergreifende Bekämpfung vernachlässigter Tropenkrankheiten (DZVT) offiziell gegründet

Würzburg (MI) In Würzburg ist am 22. Mai das Deutsche Zentrum für die sektorübergreifende Bekämpfung vernachlässigter Tropenkrankheiten (DZVT) gegründet worden. Für das Missionsärztliche Institut unterzeichnete dessen Vorsitzender Prof. Dr. August Stich in der Würzburger Residenz nach dem Gründungssymposium die gemeinsame Gründungsvereinbarung.

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller bezeichnete in seiner Ansprache das neu gegründete Zentrum als „außerordentlich wichtig“. In der deutschen Entwicklungszusammenarbeit sei der Gesundheitsbereich einer derjenigen, in dem in den vergangenen Jahren die größten Erfolge zu verzeichnen gewesen seien, vor allem bei der Bekämpfung von Armutserkrankungen. „Da wollen wir weitermachen“, so der Minister.

"Die Menschen erreichen, wo sie leben"

Prof. Stich sagte, es gehe nicht nur um vernachlässigte Tropenkrankheiten, sondern vielmehr um vernachlässigte Menschen. „Wir müssen die Menschen da erreichen, so sie leben.“ Das Problem habe mit wirtschaftlichem Denken zu tun, gefragt seien globale Solidarität und die gerechte Verteilung von Ressourcen. Ein Zentrum wie das DZVT sei in der Lage, diese Problematik nachhaltig anzugehen.

Ziel des DZVT ist eine bessere Zusammenarbeit von unterschiedlichen Disziplinen in Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Verschiedene Fakultäten der Würzburger Hochschulen wie Volkswirtschaft, Ingenieurwesen, Politikwissenschaft, Soziologie, Ökologie, Klimaforschung und Biomedizin könnten so künftig auf die Praxiserfahrung von Hilfsorganisationen zugreifen.

Hoher volkswirtschaftlicher Schaden durch Armutserkrankungen

Nach Aussage der beteiligten Organisationen gewinnen vernachlässigte Tropenerkrankungen (NTDs) im internationalen Entwicklungsdiskurs zunehmend an Bedeutung. heißt es weiter. Denn sie seien ein guter Indikator für die Gesamtentwicklung einer Region oder eines Landes. NTDs spiegelten Erfolge und Bedürfnisse in den Bereichen Bildung, Wasser, Hygiene, Umweltverschmutzung, Demokratisierung, Gesundheit und Tiergesundheit direkt wider. Viel zu häufig würden sie aber noch auf die rein medizinische Thematik reduziert. Das durch diese Krankheiten verursachte Leid der betroffenen Menschen sei enorm, der volkswirtschaftliche Schaden kaum zu beziffern.

Entwicklungshindernis

Die wirtschaftliche Entwicklung der betroffenen Länder leidet laut DZVT seit vielen Jahrzehnten. Kaum ein Konzept trage der kausalen Breite der Vernachlässigung dieser Erkrankungen Rechnung. Ein Hauptgrund hierfür sei schlicht ein Mangel an fundiertem Wissen. Wirtschaftliche, soziopolitische oder ökologische Aspekte von NTDs würden zwar sporadisch erforscht, aber oft nur punktuell und rein akademisch. Zu selten geschehe dies in Zusammenarbeit mit den Betroffenen und den Experten aus den jeweiligen Sektoren.

Würzburger Akteure wie die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW), das Missionsärztliche Institut, die Universität Würzburg und die christliche Gemeinschaft Sant'Egidio wollten dies nun ändern. Das DZVT solle zu einer nationalen Plattform werden, mit deren Hilfe solche Tropenerkrankungen erforscht und bekämpft werden könnten.

e.b. (MI)

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