Institut klärt Asylbewerber über Impfung gegen Covid-19 auf

 Würzburg (MI) Das Missionsärztliche Institut klärt Menschen in unterfränkischen Gemeinschaftsunterkünften für Asylbewerber über die Impfung gegen Covid-19 auf. Waltraud Seitz, die das von der Deutschen Stiftung Tuberkulosehilfe finanzierte Projekt durchführt, hat seit Jahresbeginn mit 400 Asylsuchenden gesprochen. In der Würzburger Gemeinschaftsunterkunft in der Veitshöchheimer Straße und der Teilgemeinschaftsunterkunft in der Zellerau wurden jetzt die ersten hundert Bewohner geimpft. Bewohner von Flüchtlingsheimen sind nach der Priorisierung der Ständigen Impfkommission der Kategorie II zugeordnet. Mobile Impfteams sind in den über 40 unterfränkischen Einrichtungen aktiv, um die Bewohner zu immunisieren.

Für Asylsuchende sei Corona wegen der beengten Wohnverhältnisse eine besondere Bedrohung, sagt Seitz. Viele lebten zu zweit oder zu dritt in einem Raum. Wenn Bewohner positiv getestet würden, werde oft die gesamte Einrichtung unter Quarantäne gestellt. Zur erzwungenen Isolation komme die Sorge um in der Heimat gebliebene Familienangehörige und um die Pandemie im Herkunftsland.
Seit Anfang des Jahres ist Waltraud Seitz in Gemeinschaftsunterkünften von Würzburg über Kitzingen bis nach Amorbach und Aschaffenburg von Tür zu Tür gegangen, um mit den Bewohnern zu reden. Sie hat sie gefragt, was sie über die Impfung wissen und erklärt, dass sie kostenlos und vor allem freiwillig ist. Über einen eigenen Flyer in verschiedenen Sprachen hatte sie zuvor versucht, die Menschen auf ihr Beratungsangebot aufmerksam zu machen. Doch die Resonanz war verhalten. „Man muss aktiv auf die Leute zugehen“, lautet ihre Erfahrung.

Diejenigen, die sie mit Deutsch, Englisch und Französisch nicht erreicht, werden mit Unterstützung von ehrenamtlichen Dolmetschern in Russisch, Arabisch oder Somali angesprochen. Aus der Ankereinrichtung in Geldersheim haben sich die beiden Ärzte Dr. Fahad Alasov aus Dr. Aisa Cheriet aus Algerien zur Hilfe bereit erklärt. Hilfreich seien auch die Aufklärungsbögen des Robert Koch-Instituts in verschiedenen Sprachen und die ebenfalls in mehreren Sprachen verfassten Aufklärungsbögen der Johanniter, ergänzt Seitz. „Wer in seiner Muttersprache angesprochen wird, hat gleich viel mehr Vertrauen“, betont Seitz.
Die Gründe für Vorbehalte gegen die Impfung seien vielfältig, sagt sie. In einigen Herkunftsländern herrsche eine generelle Skepsis. Viele hätten die Berichte über die Nebenwirkungen von AstraZeneca verfolgt und hätten Angst davor. Da die meisten Bewohner von Gemeinschaftsunterkünften jünger als 60 seien, komme der Impfstoff sowieso für sie nicht in Frage. Wieder andere ließen sich von Falschmeldungen in sozialen Medien verunsichern.

Russischsprachige Bewohner würden sich gerne mit Sputnik V impfen lassen und lieber warten, bis der Impfstoff in Deutschland zugelassen ist. Andere wiederum zeigten sich grundsätzlich offen für eine Immunisierung, wollten aber sehen, was mit den geimpften Mitbewohnern passiert. „Wenn es den Geimpften gut geht, lassen sie sich auch eine Spritze geben“.

Nach den Aufklärungsgesprächen sind etwa die Hälfte der vorher skeptischen Menschen bereit, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen, wie Seitz berichtet. Bis sie alle der über 40 unterfränkischen Flüchtlingsunterkünfte besucht hat, wird noch einige Zeit vergehen. Das Projekt läuft offiziell bis zum Jahresende. Danach wird sie sich auf das Zusammenspiel von Corona und Tuberkulose konzentrieren.
 e.b. (MI)

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